Für den März 2026 habe ich meinen letzten Monatsrückblick in der bisherigen Form geschrieben. Ab jetzt sind jeweils die 7 Gedanken meine Reflexion der vergangenen 4 Wochen.
Hier sind meine sieben Gedanken aus diesem Monat.
Alle 7 Gedanken auf einen Blick
Gedanke 1 – Eine Beobachtung: Der Esel steckt in der Gesellschaft
Ich öffne eine Internetseite und in der Millisekunde liest mein Gehirn ESEL. Ich suche auf der Seite. Es sind keine Esel da.
Nur das Wort GESELLSCHAFT. Darin versteckt sich offensichtlich der Esel. 🫏
[Wenn du mich schon ein bisschen kennst, weisst du, dass Esel zu meinen liebsten Tieren gehören. Esel sind unterschätzte und missverstandene Wesen. Sie gelten als störrisch und dumm, werden abgewertet und vielerorts auch gequält. Mit Überbelastung, Fehlhaltung oder Vernachlässigung. So verhält sich das also mit duldsamen, neugierigen und stillen Wesen in der Gesellschaft?]
Gedanke 2 – Eine Erkenntnis als Dozentin
Bei meiner Arbeit als Dozentin für Atemtherapie als Methode der Komplementärtherapie unterrichte ich auch die Berufsspezifischen Grundlagen der Komplementärtherapie. Dabei geht es um Themen wie Menschenbild, Gesundheitsverständnis und Ethik.
Das Unterrichten macht mir grosse Freude. Im Vorbereiten erlebe ich regelmässig Flow und kreativen Spielraum. Am Kurstag kommt dann alles zusammen und wird in der Gruppe von Studierenden lebendig – für das Individuum und die Gemeinschaft.
Die Nachbereitung hat mich oft ein wenig genervt. Es war doch nun erledigt, vorbei und machte trotzdem noch Arbeit? Lieber wollte ich mich aufs Nächste stürzen … Heute verstehe ich (endlich 😉): Ich brauche das Nachbereiten.
Jenseits von nötigem Todo, das einfach dazugehört. Ich brauche das Nachbereiten, um all die Fäden wieder zusammenzubringen, die sich im Austausch aufgetan haben.
Ich brauche das Nachbereiten, um all die Prozesse, die am Laufen sind, in verstehbare Bahnen zu lenken und auch aus einer Vogelperspektive draufzuschauen, was wohin gehört.
Und: Wenn ich das Nachbereiten als Erlebnis für mich übergehe und es als «zu erledigen» im Funktionieren abhake, verpasse ich das Beste daran: Das Nachbereiten ist meine Ernte. Mein Dank.
Gedanke 3 – Etwas Persönliches im Klickblick: Wie im Traum

Schon wieder ein Wasserbild. Ein Spiegel. Der Fluss, ganz ruhig und gelassen vor mir. An einem aufwühlenden Tag machte ich Station in Olten. Bereits am frühen Morgen sagte ich mir: Ich lebe heute durch den Tag, wie wenn das ein Traum wäre.
Später sass ich in einem Zug, der genau dahin fuhr, wo ich hinwollte. Alle andern im Wagon waren im falschen Zug. In der Realität ist es doch immer umgekehrt. In meinem Traum ist es nun tatsächlich so passiert. 😉
Ein Traum von früher fiel mir wieder ein, auch da eine Brücke, ein Fluss und ich fliege wie ein Vogel darüber hinweg, sehe Fische unter und über Wasser tanzen. Auch ich sei oft wie ein Fisch, lasse mich nicht so gut packen, was ein Feedback an mich in den vergangenen Wochen.
Was ist der Klickblick?
Ein Foto aus den vergangen Wochen von unterwegs, das mich zum Sinnieren angeregt oder mich zum Lachen gebracht hat. Der Klickblick ist eine Rubrik in meinen bisherigen «regulären» Monatsrückblicken. Falls ich die wirklich in Zukunft auslasse, soll der Klickblick auch bei meinen 7 Gedanken einen Platz finden darf. ➡️ Klickblick März
Gedanke 4 – Ein Satz, der geblieben ist: «Bright idea – Der Einfall»
In der neusten Podcastfolge der drei amerikanischen Jungianer diskutieren Deborah Stewart, Joseph Lee und Lisa Marchiano über Zufallsbegegnungen und sprechende Tiere. Hängen geblieben ist mir ein Zitat von James Hollis, das ich aber in der Podcastfolge nicht mehr wiederfinde. Sinngemäss heisst es: Viele Menschen verabreden sich mit selbst, kaum einer erscheint zum abgemachten Treffen.
Beim Suchen bin ich über eine andere merk-würdige Aussage gestolpert. Im Zusammenhang mit Ideen oder Möglichkeiten, die sich plötzlich und kraftvoll zeigen können, spricht Joseph Lee eine Anregung aus, die mir sehr gefällt [eigene Übersetzung]:
Frage dich am Ende des Tages: Was hat mich heute überrascht? Wenn ich das geträumt hätte, was würde mir das sagen wollen? Welche Möglichkeiten liegen darin?
Dieses Zitat finde ich nun auf der Tonspur auch schon nicht mehr. 😉 Dafür noch ein «Zufall», der mich bewegt. Es ist länger her, dass ich eine Podcastfolge gehört habe. In jeder Folge wird auch ein Traum analysiert. In dieser Folge spielt ein sprechender Esel 🫏🙊 die Hauptrolle im Traum, der den 3 Jungianern von jemandem eingesandt wurde (ein echt geträumter Traum, also!)
[Wer mich auch nur ein bisschen kennt, weiss: Seit meiner Kindheit bin ich von Eseln (und ihren Nasen und Ohren) absolut fasziniert!]
🎧 This Jungian Life (2026): Chance Encounters: When Life Calls Us to a New Path. Podcastepisode vom 12.3.2026. Online verfügbar: https://thisjungianlife.com/chanceencounters/ ↗️ [Stand 14.3.2026]
Gedanke 5 – Etwas, das sich verändert hat: Mein Gehirn und ich
Auch in einem Podcast aufgeschnappt: Das Gehirn unterscheidet zwischen einem Default- und einem Task-Modus. Nur im Default-Modus können die Gedanken schweifen, ist Tagträumen möglich, entsteht kreativ Neues und Vernetzungen formieren sich.
Ein Grund mehr, meine Gedanken mit den Wolken am Himmel fahren zu lassen, mit den Blättern im Wind zum Tanz aufzufordern oder einfach in mich hineinträumend in meinen Gedankenteich eintauchen.
Das erinnert mich auch an ein Zitat von C.G. Jung, das schon jahrelang bei mir rumhängt: «Die Visionen werden klarer, wenn du in dein eigenes Herz hinein siehst. Wer nach aussen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.»
🎧 UNIQA #GemeinsamBesserLeben (2022): Tagträumen – der Schlüssel zur mentalen Gesundheit. Hören auf Spotify ↗️ [Abgerufen am 30.3.2026]
Gedanke 6 – Eine Überraschung: «Wirf deine Angst in die Luft …»
Die letzten Monate waren so volatil und gefühlt ständig änderte ich Text auf meiner Startseite. Bald gibt es sowieso einiges im neuen Kleid für den Atemblog, ich sage nur myrtengrün, mehr verrate ich noch nicht.
Bei der Arbeit in der Praxis kam mir plötzlich dieser Satz: Wirf dein Problem in den Fluss. Es ging um einen Klienten, der oft davon spricht, «sich in den Fluss begeben» zu wollen. Dabei bemerkte er selbst, dass er ständig von Problemen spricht, die er sieht in seinem Leben. Von Problemen, die er dann löst. Genauso gut könnte er also Lösungen sehen.
Der Satz «Wirf dein Problem in den Fluss» hallte bei mir irgendwie geisterhaft nach. Bis ich begriff: Das klingt fast so, wie die erste Zeile eines Gedichts von Rose Ausländer, das mich schon seit Jahrzehnten begleitet.
Noch bist du da
Wirf deine Angst
in die Luft
Bald
ist deine Zeit um
bald
wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends
Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da
Sei was du bist
Gib was du hast
Quelle: https://www.lyrikline.org/de [Stand 30.3.2026] ↗️
Genau darum geht es bei meiner Arbeit als Atemtherapeutin mit Der Erfahrbare Atem nach Ilse Middendorf und in der prozessorientierten Supervision: «Sei was du bist / Gib was du hast». Dafür ist es nicht nur Voraussetzung, die Angst immer wieder in die Luft zu werfen und zu spüren, wie lebendig und am Leben ich als Mensch (noch) bin, sondern auch: Wenn ich ein Problem sehe, wenn ich in einer Not bin, einen Leidensdruck habe, etwas Quälendes erlebe, bietet sich der Fluss an – der Atemfluss.
Der Fluss ist der Raum der Möglichkeiten, sobald ich weiterträume und eintauche in meine Wahrnehmung dessen, was sich gerade zeigt. Wenn ich diese Erfahrung mit allen Sinnen auskoste und erlebe, mich darin verkörpere und die ihr innewohnende Bedeutung erkenne. Damit in Beziehung gehe zu mir selbst und zu andern Menschen und letztendlich auch wieder in die Welt damit.
Das Problem, das ich in den Fluss geworfen habe, hat mich gelehrt, zu schwimmen. Dadurch habe ich mich gewandelt, daraus schöpfe ich das Vertrauen, nicht unterzugehen. Das Problem ist vielleicht wie ein Fisch mir immer wieder entwischt: Trotzdem ist nun klar, was die Lösung ist, was sich wandeln darf.
Wirf dein Problem in den Fluss. Manchmal tauchen wir alleine nach der Lösung, nach Klarheit und Ruhe. Manchmal ist die Angst vor dem Untergehen zu gross, das Problem fortgespült und doch nicht gelöst. Es setzt sich im Körper fest und beginnt in Träumen zu wirken.
Ja, dann ist es nötig, wieder in denselben Fluss zu steigen. Dem Problem hinterherzutauchen. Dabei brauchst du nicht alleine abzutauchen. Ich fische mit dir. So steht es jetzt gerade auf meiner Startseite. Eine Stimme in mir sagt: Was soll das? Klarheit vor Kreativität! Was für ein Geschwurbel an Bildern und Gedanken, wer soll das verstehen?

Trotzdem lasse ich es heute stehen. Ich bin mir selbst schon lange etwas schuldig. Auch ich werfe mein Problem nun in den Fluss und finde jemanden, der/die mit mir fischen geht. Eine Stimme im Wald hat mir zugeflüstert, wie ich das geschehen lasse.
Noch bin ich da und verschenke Worte. Sei auch du, wer du bist. Gib auch du, was du hast.
Gedanke 7 – Eine Frage: Wie komme ich weg von Google?
Vor ein paar Jahren startete ich meinen Social-Media-Ausstieg und bin nun nach 6 Schritten beim nächsten Knackpunkt: Wie, wann und ob ich mich von LinkedIn lossage. Das darf noch ein wenig warten.
Als ich damit begann, Facebook & Co. den Rücken zu kehren, hätte ich mir nicht träumen lassen, wohin mich das führt. Wie es heute ist: Endlich Ruhe! (Jedenfalls fast …)
📖 Das war’s mit Telegram: Mein sechster Schritt in eine Zukunft ohne Social Media
📖 Ich steige aus Social Media aus und bleibe trotzdem bei LinkedIn
Ein Ausstieg ruft nach dem nächsten
Ich brauche also eine neue Herausforderung. Lange schon arbeite ich daran, möglichst Alternativen zu Windows- und Google-Produkten zu nutzen. Nun wird es immer dringlicher und ich habe entschieden, den Kampf gegen Goliath aufzunehmen, selbst wenn ich jetzt denke, wie soll denn das (und das? und das?) gehen.
Als erstes verabschiede ich mich von meinem Google-Kalender – jedenfalls so weit es zur Zeit möglich ist. Darüber berichte ich in den nächsten Wochen. Selbst wenn es vielleicht nie ganz ohne Google & Co. gehen wird, ich mache mich trotzdem auf, es zu versuchen.
«Wie komme ich weg von Google?» hat auch damit zu tun, dass Google «aus Sicherheitsgründen» bald nur noch eigens genehmigte Apps zulassen will. Android-Apps: Ab 2026 nur noch mit Google-Genehmigung installierbar ↗️
Jetzt bist du dran!
Zum Mitbloggen: 7 Gedanken als Monatsritual
Anleitung und Vorlage ↗️ von Linda Kunze: Die Gedanken werden während des Monats gesammelt. «Die Reflexion passiert nicht rückblickend, sondern mitten im Leben. Jeder Monat sammelt neue Perspektiven.»
Dein Kommentar zu meinen 7 Gedanken
Wie ist das bei dir und den Gedanken? Wo bist du hängengeblieben bei meiner Sammlung oder was hat dich zum Reinträumen eingeladen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar ⤵️ und lese gerne, was dir im Kopf rumgeht und rumging in den letzten Wochen.
Mini-Blogparade #8Sammeln
Mach am 8. des Monats mit bei meiner Mini-Blogparade #8Sammeln: Für alle, die mehr vom Leben haben wollen mit allen Sinnen. Für dich als Blogger:in, wenn du das Vernetzen schätzt und das Staunen liebst. Ich freue mich darauf zu lesen, wie DU die Welt erlebst!









Linda Kunze
Liebe Susanne,
ich bin schon ganz gespannt auf myrtengrün.
Mein Website-Kleid ist salbeigrün. Also sind wir zwei Team „Grün“.
Hängen geblieben bin ich besonders bei Deinem letzten Gedanken.
„Dem Loslösen von Google“. Ehrlich gesagt, wüsste ich aktuell nicht, wie ich das schaffen sollte, bzw. welche wirklich guten Alternativen ich hätte. Aber ich spüre hier auch nochmal rein.
Danke für Deine 7 Gedanken.