Ich war schon immer ein Motto-Muffel: Nun taufe ich mein Jahresmotto um und nenne es GRUNDSATZ. Motto klingt nach Wegwerf-Geschwafel in meinen aufmüpfigen Ohren, deshalb ist das neue Jahr für mich nicht zwingend Anlass für ein neues Motto – äh für einen neuen Grundsatz.
Mein Grundsatz für 2026 ist ein Upcycling-Produkt, ich nehme das alte nochmals hervor und schaue, was sich daraus noch alles machen lässt. Mein Motto von 2025 ist mir tatsächlich so ans Herz gewachsen und hat mich echt beflügelt, da gibt es noch mehr zu holen. Gerne lasse ich mich ein weiteres Jahr von einem Grundsatz beschenken, der mich trägt.
«Was, wenn das einfach wäre?» wird also aufpoliert zu «Was, wenn das einfach wäre 2.0?» In diesem Beitrag nehme ich dich mit zu meiner Sturheit, in meine Überforderung und zu tiefen Erfahrungen von Vertrauen in mich und meinen Lebensweg.
Inhalt
«Was, wenn es einfach wäre 2.0?» Wie ich mein Leben 2026 aus diesem Grundsatz gestalte
Aus diesem Grundsatz schöpfe ich 3 tiefe Erfahrungen:
1. Ich mache 2026 stur weiter, mit dem, was sich bewährt hat
Juhee, ein neues Jahr, ein neues Motto! Nein – das mache ich heuer nicht, obwohl ich am Ende meines Jahresrückblicks 2025 bereits mein Jahresmotto 2026 angekündigt hatte: «wesentliche Hingabe» oder «radikale Aufmerksamkeit» oder sonst ein Wortgeschwurbel, das neu und verlockend klingt, um daran herumzuforschen im Alltag.
Ein Motto fürs Jahr zu wählen und darüber zu bloggen habe ich vor 2 Jahren angefangen. Bereits damals outete ich mich als «Motto-Muffel». Ja, es hat eine Kraft, etwas aufzuschreiben, online zu stellen und übers Jahr immer wieder darauf zurückzukommen oder darauf zurückgeworfen zu werden. Das gefällt mir, darin erlebe ich mich in meiner Selbstwirksamkeit.
Trotzdem gibt es ab 2026 bei mir kein Jahresmotto mehr. Ich habe Synonymlisten durchforstet, einige Wörter ernsthaft in Betracht gezogen (Leitsatz, Leitgedanke, Richtschnur, da wäre auch das Leitseil des Atems, Wahlspruch, Credo, Leitidee …) und alle wieder verworfen.
Beim Lesen der Listen gestaunt, wie das Wortfeld komplett in Polaritäten aufgeht: Motto hat Synonyme, die Maxime, Prinzip und weitere höchst wichtige Parolen beinhalten, gleichzeitig bedeutet es auch Plattitüde, abgegriffene Redewendung, Binsenweisheit …
So entschied ich mich, keine neue Worthülse zu wählen, bloss weil ein neues Jahr angefangen hat. Ich stecke noch bei «Was, wenn das einfach wäre?». 2025 gab es einige Momente, die ohne diesen Grundsatz – manchmal wie ein rettender Strohhalm – ganz anders weitergegangen wären.
Manches hätte ich schon gar nicht angepackt, wäre das nicht dieses «Was, wenn das einfach wäre?» aus dem Hinterkopf geflogen gekommen. Anderes hätte ich endlos verkompliziert, bis ich dann entnervt aufgegeben hätte.
Spannend fand ich auch, wie dieser Grundsatz mit ermöglichte, nicht nur anzufangen, sondern auch dranzubleiben und flexible, elegante und praktische Lösungen auszuprobieren, bis es dann wirklich einfach wurde, sich simpel und mühelos anfühlte und mich mit Schaffensfreude volltankte.
➡️ Atemhaus Wagner 2025: Mein Motto «Was, wenn das einfach wäre?» und was das für mich bedeutet
➡️ Atemhaus Wagner 2024: Mein Motto «Ich bin da» und was das für mich bedeutet
2. Ich gönne mir Pausen, Ruhezeiten und stille Stunden
Im Titel habe ich geschrieben: Ich mache da weiter, wo ich stehengeblieben bin. Das Stehenbleiben sehe ich neutral, sogar eher positiv. Endlich einmal Innehalten, mich orientieren, Ausschau halten und zurückschauen.
Stillstand ist also ein liebgewonnenes Ziel, das ich 2026 systematisch verfolge in meinen STILLEN STUNDEN. Das Warten zu kultivieren wirkt sich wohltuend auf mein Nervensystem aus. Eine STILLE STUNDE kann unterschiedliche Erfahrungen und Erlebnisse beinhalten, es ist kein Ding, das ich abarbeiten muss. Sie muss nicht mal eine Stunde dauern, es geht mir eher darum, dass es sich für mich anfühlt wie eine ganze Stunde …
Ein paar Ideen, die ich auch schon ausprobiert habe:
- Auf der warmen Chouscht [Ofenkunst] dösen
- Ein Buch lesen oder hören
- Im Wald spazieren
- Barfuss draussen sein
- vollkommen aufmerksam zuhören, wie mir jemand etwas erzählt
- komplett in den Flow geraten beim Abwaschen
- Kater Kuala herzen, wenn ihm danach ist
- Aus dem Fenster schauen, möglichst ins Grüne/zum Horizont
- In Gedanken einen ganzen Blogartikel schreiben
- Schreiben, was mir gerade durch den Kopf geht
- Weiterträumen, mich um mich selbst drehen …
Die STILLE STUNDE ist eine Qualität des Erlebens mit meinen Sinnen, die nichts mit Zeitdauer zu tun hat, sondern mit der echten Aufmerksamkeit zu mir selbst. (Deshalb war auch die radikale Aufmerksamkeit auf der Liste der nominierten Mottos für 2026.)
Die STILLE STUNDE ist eine Form des Kontakts mit mir selbst, der mich in einen Zustand von Vertrauen und Sicherheit bringt, bei dem Neugier, Offenheit und Unvoreingenommenheit ebenso dazugehören wie Dankbarkeit und Lebensfreude.
Die STILLE STUNDE macht mir das bewusst. Sie kann einen ganzen Tag dauern, wie das oft in den Ferien in den Bergen geschieht. Sie kann 60 Minuten dauern, wie das meistens bei einer Atembehandlung oder gemeinsamen Atemübungen der Fall ist.
Die STILLE STUNDE ist magisch, denn sie kann auch blosse 5 Minuten dauern, wenn der Raum stimmt und die Beziehung trägt. Gerade gestern erlebte ich das wieder, online klappt das auch. Was 5 Minuten gemeinsames «Warten» bewirken, ist wunderbar und berührt mich tief.
Die STILLE STUNDE «in a nutshell» kann sogar eine mikrige Minute dauern. Sobald deine innere Welt sich auftut, spielt die Zeit im Aussen keine Rolle mehr. Das erlebe ich immer wieder mit Mikropausen. Kurze Momente, in denen ich über meine Körperwahrnehmung verbunden bin mit mir selbst.
Die STILLE STUNDE ist immer eine Einladung für das eigene Atemgeschehen: Beobachten, ohne zu bewerten. Sich bewegen und sich bewegen lassen. Berühren und berührt werden. Ja, dann wird es «kosmisch» im Innen und Aussen.
Damit schliesst sich der Bogen und die «wesentliche Hingabe» (eine weitere Motto-Floskel-Nominierung) entfaltet sich. Was, wenn es einfach wäre? Ich wende mich mir selbst zu und meine mich ernsthaft, mich als ganzer Mensch. Das schenkt mir «Was, wenn es einfach wäre?» 2.0
3. Ich lasse mich von meinem Grundsatz «Was, wenn es einfach wäre?» tragen
Ein Motto gibt mir den Eindruck, dass ich irgendwo in die Wolken greifen müsste, um es zu fassen und auszugestalten. Ein Grundsatz bietet mir ein Fundament. Ein Grundsatz zeigt meine Wurzeln, meine Stabilität, Standfestigkeit, Nahrungsort und Klarheit, wer ich bin und wofür ich stehen will in dieser Welt.
Mein Grundsatz «Was, wenn das einfach wäre?» wurde 2025 zu meinem treusten Begleiter und Befähiger. So einen Gefährten lasse ich nicht zurück. Dieser Grundsatz ist keine Krücke, kein «Fake it until you make it» [Tu so wie wenn, bis du es geschafft hast.]
Damals war mir das nicht so bewusst. Heute weiss ich: «Was, wenn das einfach wäre?» hat mich aus Dauerüberforderung gerettet. «Was, wenn das einfach wäre?» hat mir Mut gegeben, etwas anzupacken. «Was, wenn das einfach wäre?» hat mir gezeigt, dass ein kleiner Schritt oder eine kurze Pause alles ändert.
Mein Grundsatz «Was, wenn das einfach wäre?» ist nicht herablassend, höhnisch oder beschämend. Er sagt nicht aus: Du kannst das nicht? Du bist zu dumm dafür? Du hast das immer noch nicht drauf? Er lädt ein zu Verbindung mit allem, was zur Verfügung steht und flüstert mit liebevoller Unterstützung.
«Was, wenn das einfach wäre?» 2.0 raunt mir ins Ohr: Mach dich frei für das Geschehenlassen. Steige in den Fluss. Spüre DAS DRITTE auf. Es ist nicht entweder SO oder SO. Das Leben ist SOWOHL als AUCH und alles hat seine Zeit.
«Was, wenn das einfach wäre?» ist nicht immer einfach. Schliesslich glaube ich weiterhin, was ich bisher im Leben gelernt habe: Du musst hart arbeiten. Ohne Fleiss kein Preis. Übung macht den Meister usw. Du bist eine Grüblerin, alles ist kompliziert, dein Leben hat sonst keine Tiefe!
Genau da, wo ich stehengeblieben bin, mache ich nun weiter. Immer wieder einen nächsten Schritt und «Was, wenn das einfach wäre?» bringt mich gelassen und heiter weiter. Ich lasse mich treiben und weiss, dass ich schwimmen kann.
Jetzt bist du dran!
Hast du auch ein Jahresmotto (oder für meine Mottomuffel-Verbündeten: eine Parole o.ä.) für 2026? Ich bin gespannt, womit du im neuen Jahr losgehst oder weshalb eben gerade nicht. Erzähle uns unten im Kommentar ⤵️ gerne mehr davon.
Du findest «Was, wenn das einfach wäre?» eine interessante Idee? Probier gleich eine Mikropause aus und starte jetzt in deinen ersten Moment einer STILLEN STUNDE.







