Mikropause des Tages: 1 Minute für dich!

Die Wahrheit über Entspannung und warum Warten die meisten Menschen stresst

Tulpenstrauss: Die Blütenköpfe sind so schwer, dass die Stiele kraftlos aus der Vase auf den Tisch gesunken sind.

Was bedeutet für dich Entspannung? Halte jetzt einen Moment inne und lass dir das durch den Kopf gehen. Wann hast du das zuletzt erlebt? Was hat sich verändert und wie kam es dazu? Wann fehlt dir dieser Zustand und was stellt er dir persönlich zur Verfügung? In diesem Artikel teile ich mit dir meine Wahrheit über Entspannung – und warum wir lieber von «Wohlspannung» sprechen sollten.

Alle reden davon, locken damit und streben nach ihr – der Entspannung. Was ist damit wirklich gemeint und warum fehlt sie uns so oft, dass wir sie komplett idealisieren als Zustand der maximalen Gelassenheit, dem totalen Loslassen mit wohligem Gefühl?

Das Leben des modernen Menschen ist herausfordernd: Hektik, Stress und Dauerfunktionieren verlangen nach Ausgleich. Die Sehnsucht nach Ruhe statt künstlichem Licht und Dauerlärm, Relaxen statt Schreibtischarbeit oder Abschalten von der ständigen Verantwortung ist total verständlich. Ist Entspannung darauf die Antwort? Die totale Lockerung, das komplette Loslassen, hinuntersinken und erschlaffen? Ist das wirklich das, was du dann brauchst, wenn du dich nach Entspannung sehnst?

Inhaltsverzeichnis zum Blogartikel

Entspannung – Schnellüberblick ℹ️

  • Entspannung ist ein Wohlgefühl, nach dem sich viele Menschen sehnen. Körperlich wird Entspannung oft als Loslassen oder Absinken erlebt, stimmungsmässig als Ruhe und Gelöstheit.
  • Der moderne Mensch ist daueraktiviert. Wenn Erholungsphasen fehlen und Ent-spannung nicht mehr eintritt, verlernt das Nervensystem das dynamische Schwingen zwischen Aktivierung und Erholung.
  • Dauerstress verhindert eine gesunde Balance zwischen Spannen und Lösen. Das zeigt sich auch in der Atembewegung, wenn das Zwerchfell, der Hauptatemmuskel, das dynamische, situative Schwingen verlernt.
  • Als Atemtherapeutin empfehle ich dir Atemübungen, ein lösendes Gähnen oder das beruhigende Eintauchen in den Kontakt mit dir mithilfe moderater Bewegung im Wald.
  • 60-Sekunden-Übung: Starte mit einer Mikropause und erlebe über deine Körperempfindung, wie Aufatmen eingeladen wird, sobald du deinen Sinnen das wertfreie und absichtslose Wahrnehmen erlaubst.
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Was bedeutet Entspannung?

Wenn du mich kennst, weisst du schon: Ich starte gerne mit duden.de, wenn ich mich frage, was ein Wort bedeutet. Besonders spannend finde ich, mit welchen anderen Wörtern das Wort in Beziehung geht, im Dialog der Menschen.

Atemtherapie | Mikropausen | Supervision •

Entspannung wird mit Verben verwendet, die beschreiben, wie der Zustand wahrgenommen wird: suchen, sinken und fliessen. Danach wird gesucht, dafür wird gesorgt, darum bemüht man sich oder kann selbst dazu beitragen. Wichtig dabei sind Ruhe, Bewegung, Erholung und Meditation. Unterhaltung? Da setze ich mein erstes Fragezeichen. Wie sich das anfühlt? Tief, körperlich, leicht, wohlig, total, meditativ …

Aus den Wörtern im Bild lese ich das Gegenteil von Entspannung: Spannung und Anspannung. Andere Wörter für Entspannung sind: Erholung, Ruhe. Nicht ganz einzuordnen auf den ersten Blick: Bewegung, Ernährung, zeichnen, Meditation. Sind diese Teile des Erlebens oder gehören sie zum Suchen, zu den Bemühungen, Entspannung zu finden?

Was steckt hinter dem Entspannungstrend?

Entspannung ist seit Jahren «der Schlüssel zur Gesundheit, Zufriedenheit und zum Wohlbefinden». Schau nochmals aufs Beitragsbild: Diese komplett entspannten Tulpen – ist das der Zustand, nach dem du dich sehnst? Ich sehe da schwere Blütenköpfe, schlaffe Stiele und keine Chance, sich je wieder aufzurichten. Als Nächstes kommt das Verblühen, Blütenblätter verlieren, vertrocknen und entsorgt werden.

Klingt nach Stress für mich … schliesslich bin ich am Leben interessiert: voll in der Blüte stehen, aufblühen, farbig leuchten in genau meiner einzigartigen Art und Weise! Wäre ich eine Blume, wünschte ich mir sicher nicht, mit dem Kopf komplett aus der Vase zu hängen, in moderigem Wasser zu stehen und bald mit gerümpfter Nase entsorgt zu werden. Was ist denn geschehen, dass es überhaupt soweit kommen konnte?

  • Entwurzelt: Auf dem Feld, verbunden mit der Knolle und Scholle, wäre das nicht so schnell passiert.
  • Gepflückt: Mit anderen zusammen instrumentalisiert für ein Bedürfnis eines anderen Lebewesens.
  • Todgeweiht: Wenn im nächsten Frühling die Sonne ruft, komme ich bestimmt nicht wieder.

Traurig, nicht? Haben Blumen Gefühle? Spüren sie, wenn sie in einer Vase, abgetrennt von ihren Wurzeln, ihre letzten Stunden erblühen, bevor sie welken? Weiss ich nicht. Weiss ich aber schon: Ich als Mensch habe definitiv Gefühle dazu, wenn ich entwurzelt, instrumentalisiert und todgeweiht bin. Dann bleibt nur noch die letzte Entspannung: Mich drein schicken, weil ich es sowieso nicht ändern kann. Gerade das kann auch echt stressen: Warum ich? Warum jetzt? Wie gehe ich damit um?

Entspannung oder Stress? Kommt drauf an!

Was jemand als Stress erlebt oder mit Entspannung verbindet, ist individuell unterschiedlich. Trotzdem sind sich bei gewissen Tätigkeiten fast alle einig: Am stressigsten ist Einkaufen, der eigene Beruf, Warten oder Hausarbeit. Autofahren finden manche stressig, manche erholsam, ebenso bei Weiterbildung oder dem Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Entspannung finden Menschen am häufigsten bei:

  1. Musik hören
  2. Urlaub
  3. Ihrem Hobby
Statistik mit Tätigkeiten und Einschätzung ob Stress oder Entspannung bedeutet. Meister Stress: Einkaufen, mein Beruf, Warten. Grösste Entspannung: Musikhören, Urlaub, Mein Hobby.
Quelle: Veröffentlicht von Statista Research Department, 30.11.2009. Online verfügbar unter statista.de ↗️ [Stand 22.11.2025].

Entspannung ist überall wo du hinschaust und nur nicht bei dir selbst? Schau genauer hin und ergründe, ob du bei dir bist, ob du tust, was du gerade tust – ob die Wahrnehmung von Entspannung, was auch immer das Wort für dich gerade alles meint, überhaupt möglich ist, so wie du lebst. Nutze alle deine Sinne und nimm wahr, was sich verändert, wenn du z.B. in Kontakt gehst mit deiner Körperwahrnehmung. Dafür gibt es ein einfaches Tool auf dem Atemblog – die Mikropause:

Wecke jetzt deinen Atemsinn mit einer Zufallsmikropause 🥱

Atemfluss
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Mikropause 311’489 von 531’441.

Mikropause des Tages am 08.05.2026

 

Erlebe dich ⏳ in einer Minute zwischendurch

  • als ganzer Mensch
  • im Kontakt zu dir
  • mit allen Sinnen

… damit es dir gut geht vor dem Bildschirm 👣

Mehr Mikropausen

Was wird bei Entspannung versprochen?

Entspannung gilt als Allheilmittel:

  • Stressabbau
  • bessere Konzentration
  • ruhiger Schlaf
  • dauerhafte Zufriedenheit

Die gängigen Entspannungsbilder sehen etwa so aus:

Menschen sitzen am Wasser, fläzen sich in die Hängematte oder begeben sich in Entspannungsposen, die eher angestrengt aussehen. Ein Fahrrad irgendwo im Hintergrund symbolisiert wohl die Entschleunigung. Dabei halten sie ein Buch, ein Eis oder ihr Smartphone in der Hand. Sie sind also bestenfalls im Gespräch oder gar nicht im Hier und Jetzt anwesend.

Manche Bilder zum Thema Entspannung sind atmosphärisch direkt: Kerzen, Duftseifen, Sonnenuntergänge, Liegestuhl dekoriertem Drink … oder Wellnessoasen und dortige Tätigkeiten wie Sauna, Massage, Teetrinken.

Kannst du «echte Entspannung» überhaupt wahrnehmen, wenn du im Hier und Jetzt nicht anwesend bist? Dieses sehnlichst erwünschte totale Loslassen, das endlich Entlastung von Anspannung und Stress bringt – was braucht es denn, um das erstmal überhaupt zu bemerken, wertzuschätzen und erleben zu können? Wer immer einen Schritt schon weiter ist, verpasst es wohl: den klitzekleinen Zwischenraum des Aufatmens, der Lösung, der wahrgenommenen Entspannung.

Oder geht es darum, sich mega zu stressen, total anzustrengen und auszupowern und dann eben doch kraftlos zu erschlaffen und sich zu sagen: Ahhhh, jetzt bin ich so schön entspannt? Geht es nur noch im Deutlichen, Überwältigenden, Grossen? Wo ist die Kraft des kleinen Gähnens geblieben, der besten Mini-Entspannung zwischendurch, die es überhaupt gibt? Wo ist das Bewusstsein für das Lösen des Zwerchfells geblieben und die köstliche Wahrnehmung des ausströmenden Ausatems, der die Spannung reguliert und mir kraftvoll die Wohlspannung zur Verfügung stellt, wenn ich das zulasse?

Die Wahrheit: Was Entspannung nicht ist

Hast du bis hierher gelesen, ist dir wohl klar: Ich bin keine Freundin der Entspannung im Sinne von Loslassen, komplett nachgeben und erschlaffen.

Der Entspannungstrend aus meiner Sicht: Wohlbefinden braucht Balance

Für mich ist Entspannung nicht die Lösung, sondern lediglich eine Dynamik zwischen Spannen und Lösen. Der moderne Mensch ist eher daueraktiviert und angespannt, deshalb scheint die Entspannung als Ziel und Sehnsuchtszustand.

Als Atemtherapeutin erlebe ich, wie Menschen echte Erholung erfahren, sobald ihre bewusste Körperempfindung erwacht. Beobachte dich selbst und frag dich: Wo zwischen Anspannung und Entspannung ist es dir wohl? Wie zeigt sich das in deiner Körperempfindung? Wie hängt deine Stimmung damit zusammen?

Frage weniger nach «Entspannung» als Loslassen, sondern mehr nach Lösung und Erleben von «Wohlspannung», die dich trägt. Deine Körperempfindung gibt Antwort! Bereits das Wahrnehmen deines Atemgeschehens trägt zur Regulation bei: Wie zeigen sich Ein- und Ausatem? Wie steht es mit dem Warten, bis der neue Einatem von selbst wiederkommt?

Zitat von Ilse Middendorf: Wir lassen unseren Atem kommen, wir lassen ihn gehen und warten, bis er von selbst wiederkommt.

Warten kann herausfordernd sein. Haben wir es verlernt, überhaupt einen Moment mit uns selbst still zu sein und in diesem Begegnungsmoment einfach zu erleben, was gerade ist?

Vermeintliche Entspannung – die Ablenkung

Im Alltag lauert die vermeintliche Entspannung: Kurz auf dem Handy in Social Media Scrollen oder sich mit Fernsehen ablenken. Das ist keine echte Erholung. Das ist Stress für dein Nervensystem! Überall sind wir, nur nicht bei uns selbst. Sich selbst begegnen stresst auch. Der Kontakt zu sich als ganzer Mensch, zum eigenen Wesen geht verloren.

Ich wünsche mir weniger Bildschirmzombies auf dieser Welt, dafür mehr echte menschliche Begegnungen und Kontakte. Du als ganzer Mensch: Wie bist und bleibst du im Kontakt mit dir selbst und was schenkt dir das für deine Beziehungen zu anderen Menschen und zur Welt?

Wie geht echte Entspannung?

Echte Momente der Erholung haben andere Inhalte. Das könnte z.B. Schreiben, Zeichnen oder Musizieren sein. Auch moderate Bewegung steht hoch oben auf der Liste der echten Entspannung. Auch das Summen bringt Ruhe und reguliert gestresste Körper, spürbar und auf einfache Art und Weise.

Unzählige bewährte «Entspannungstechniken» ebenfalls: Von Atemübungen über Meditation bis zum Nichtstun, was auch immer bei dir funktioniert, nutze es. Dieses Nichtstun, Warten, Geschehenlassen oder still sein kann herausfordern. Genau dann, wenn gerade nichts läuft, nichts ruft oder nichts fordert, wird es laut in dir. Könnte unangenehm oder ungewohnt sein.

Was tun? Starte mit einer Minute und bleib geduldig mit dir selbst. Als Atemtherapeutin empfehle ich dir, mit Mikropausen anzufangen und damit deine Körperempfindung zu schulen – das bringt dich ins Hier und Jetzt und holt dich konkret aus dem Kopf in den Körper.

Eine Sammlung von Anregungen findest du auf dem Atemblog, z.B. in den Artikeln zu meiner letztjährigen Blogparade #MeinePause:

Fazit: Am Ende zählt deine eigene Balance

Die Wahrheit über Entspannung liegt irgendwo zwischen Extremen. Im Schwingen von Anspannung zu Lösung, wie es bei jedem Atemzug geschieht bei deinem Hauptatemmuskel, dem Zwerchfell.

Was schenkt dir das Gefühl, dass du lebendig bist? Wo findest du neue Kraft und bei welchen Aktivitäten schöpfst du Lebensenergie? Bleib neugierig, achte mit allen Sinnen darauf, was dich belebt, was dich beruhigt und wo sich deine goldene Mitte zwischen Spannen und Lösen gerade einpendelt.

Eine meiner liebsten «Entspannungs-Aktivitäten» (neben Atemübungen und Bloggen, natürlich 😉) sind Waldspaziergänge. Es ist erforscht und wissenschaftlich belegt, dass der Wald das Nervensystem massgeblich beeinflusst in Richtung Ruhe und Erholung. Dabei geht es vor allem auch darum, zu verlangsamen und mit allen Sinnen in die Absichtslosigkeit einzutauchen ↗️, das entspannt!

Jetzt bist du dran!

Was bedeutet für dich Entspannung? Wo findest du sie und was braucht es dazu? Hast du das Wort Wohlspannung schon gekannt und macht es für dich einen Unterschied, ob du von Entspannung oder Wohlspannung sprichst? Teile jetzt unten im Kommentar ⤵️ mit der Atem-Community, was dich zum Thema Entspannung bzw. Wohlspannung beschäftigt und wie du das erlebst.

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Wenn du bis jetzt noch nicht gegähnt hast, lies hier weiter: