Moment mal?! Atem anhalten kurz erklärt

Moment mal - drängende Fragen kurz erklärt, Text auf Dreieck

Moment mal!? Drängende Fragen kurz erklärt:

Atem anhalten – wie sinnvoll ist das und wann soll ich das (nicht) tun?

Es gibt einige Atemübungen wie z.B. die Box-Atmung, die ein Atemanhalten nach dem Einatem vorgeben. Schon lange habe ich mich gefragt, was das bringen soll.

Auf einer Lesebank im Ferienort ist mir ein Buch in die Hände gefallen, mit dem mir die Antwort plausibel wird dank Dr. Wunderlis Erklärung. Auf einer metaphysischen Ebene hat das Atemanhalten nach dem Einatmen seine Berechtigung, vom Körper her ist es völliger Unsinn.

Wenn daher der Yogi einatmet, zieht er die göttliche Weltkraft in sich hinein und wird erfüllt vom kosmischen Lebensstrom. Hält er in Einatemstellung den Atem an, so behält er auch die allmächtige Lebenskraft zurück, und dieses Erleben kann bis zur Verzückung steigern.

Dr. med. Jürg Wunderli

Dr. Wunderli ist der Meinung, die unphysiologische Atempause nach der Einatumung sei unzulänglich oder sogar gefährlich für den «verspannten Europäer, der das harmonische Atemlassen (welches noch der Säugling zeigt!) verlernt hat».

…, daß solche Atembeherrschung [Atem anhalten] erst dann erfolgen darf, wenn die Atmung bereits entspannt, harmonisch „von selbst“ abläuft. Gerade dies ist aber bei den wenigsten unter den abendländischen Yoga-Zöglingen der Fall[.]

Dr. Wunderli anno 1975 über die Praktiken des Atemanhaltens bei Yoga und zum Verständnis der östlichen Praxis der Pranayamas [Atemübungen]. Weiter führt er aus:

…, daß der östlichen Praxis nachgeäffte Atemübungen ohne die vorherige, erfolgreiche Einübung des entspannten, gelösten Atmens ein Unding ist und nich selten gesundheitlichen Schaden anrichtet.

Dr. Wunderli, geb. 1934, war Theologe und Arzt. Er beschäftigte sich intensiv mit östlichen Praktiken und mich hat erstaunt, dass er bereits 1975 davon spricht, dass der westliche Mensch eben keinen gelösten Atem mehr hat.

Kritisiert wird ausdrücklich das Atemanhalten nach der Einatemphase. Dies im Gegensatz zur Atempause, die nach dem Ausatem natürlicherweise in Ruhe erfolgt.

📖 Wunderli, Jürg (1975): Schritte nach innen. Östliche Meditation und westliche Mystik. Freiburg im Breisgau: Herder

Meine Einschätzung

Als Atemtherapeutin (und vor allem der Atemrichtung Middendorf mit dem Erfahrbaren Atem) bin ich sehr skeptisch bei Praktiken, die das Atemanhalten nach dem Einatmen vorgeben. Sowieso gilt: Der Wille ist der Feind des Atems!

Körperlich ist das Atemanhalten Unsinn, denn der Atem ist ja genau unsere lebensnotwendige Körperfunktion. Mit Atemanhalten ist hier ausdrücklich NICHT die natürliche Pause nach dem Ausatem gemeint, sondern nur das künstliche Stoppen des Atemflusses nach der Einatemphase.

Meiner Einschätzung nach halten die meisten Menschen unbewusst sowieso oft genug den Atem an, weil er stockt, an seiner natürlichen Arbeit gehindert wird oder aus psychischen Gründen unter Druck gerät.

Vor dem Bildschirm bist du besonders gefährdet, den Atem unnötig anzuhalten.

➡️ Was ist Bildschirm-Apnoe und wie bleibst du vor dem Screen im Atemfluss?

Jetzt bist du dran!

Praktizierst du Atemanhalten nach dem Einatmen und welche Erfahrungen sind für dich damit verknüpft? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar.

Hast du eine Frage zu Atem, Körper oder Nervensystem? Beobachtest du etwas bei dir selbst oder bei anderen Menschen und findest keine Erklärung? Lass uns wissen, was dich beschäftigt.

Moment mal!? Drängende Fragen kurz erklärt

Manchmal finde ich einfach Antworten auf Fragen, die ich lange mit mir herumgetragen habe. Hier teile ich mit dir, welche Aha-Momente mir selbst im Alltag begegnen oder welche Fragen in meiner Praxis oft auftauchen.

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