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Was ist Bildschirm-Apnoe und wie bleibst du vor dem Screen im Atemfluss?

Grafik mit Notebook. Auf dem Bildschirm steht: Was ist Bildschirm-Apnoe?

Bildschirm-Apnoe (Screen Apnea) ist das unbewusste Anhalten des Atems vor dem Bildschirm. Ganz allgemein bezeichnet Apnoe das Aussetzen des Atems. Das passiert zum Beispiel im Schlaf (= Schlafapnoe) oder vor dem überfüllten E-Mail-Postfach (= E-Mail-Apnoe). Das bewusste und trainierte Atem anhalten ist beispielsweise von Apnoe-Taucher:innen bekannt.

Beruflich und privat: Bildschirme prägen den modernen Alltag. Sei es im Büro bei der Arbeit oder in der Freizeit auf Social Media, beim Fernsehen oder Gamen, all das ist Bildschirmzeit. Einer Studie aus Österreich zufolge verbringen wir durchschnittlich 10 Stunden täglich vor dem Bildschirm. Die Zahl schockierte mich im ersten Moment. Wenn ich auf mich selbst schaue, muss ich zugeben: Das schaffe ich locker 🙄 und du?

Warum wird deine Atembewegung vor dem Bildschirm flach oder verabschiedet für Momente komplett? Ist das gefährlich? Hier erkläre ich dir, wie du deiner Bildschirm-Apnoe auf die Spur kommst und wie du wieder zurück in den Atemfluss findest.

Wie entsteht Apnoe und welche Auswirkungen haben unbewusste Atemaussetzer?

Unbewusste Atemaussetzer im Schlaf

Am bekanntesten sind wohl die unbewussten Atemaussetzer, die nachts passieren: Schlafapnoe. Besonders schnarchende Personen sind davon betroffen. Viele Menschen wissen gar nicht, dass bei ihnen nächtliche Atemaussetzer zur Dauermüdigkeit führen. Unbehandelte Schlafapnoe ist ein ernst zu nehmendes Risiko für die Gesundheit. Wenn du wissen willst, ob du betroffen bist, mach den online-Test von der Lungenliga und lasse dich von Fachpersonen beraten. Mit geeigneten Atemübungen kannst du deine Atemgesundheit selbst stärken: Finde eine Atemtherapeutin oder einen Atemtherapeuten in deiner Region.

Bildschirm-Apnoe: Das passiert im Alarmzustand

Vor dem Bildschirm sind wir permanenten Reizen ausgesetzt, die unser Nervensystem in Alarmzustand versetzen. Der Stress-Modus zeigt sich im angehaltenen oder flachen Atem. Unzählige Reize fluten unser Nervensystem und das Gehirn versucht, allfällige Gefahren aus all den Informationen herauszufiltern, um das Überleben zu sichern. In einem solchen Moment ist alles andere nebensächlich: Körperfunktionen werden verlangsamt, gestoppt oder auf das Minimum heruntergefahren, um die Gefahrensituation einzuschätzen: Funktionieren im Überlebensmodus ist ein uraltes Programm.

Moment: Gefahr, Alarm, Bedrohung? Faktisch trifft das kaum zu – vor dem Bildschirm ist unser Leben nicht unmittelbar in Gefahr. Unser Nervensystem hat sich vor über 10’000 von Generationen entwickelt und erst seit ca. 30 Jahren gehören Bildschirme zu unserem Alltag: Für unser Nervensystem sind all die Sinnesreize, die virtuell auf uns einprasseln brandneu und gehören abgecheckt! Das hat einen Preis: Die Alarmbereitschaft des Organismus wirkt sich auf Atmung, Kreislauf und Organsysteme aus – mit Folgen für die natürliche Balance zwischen Aktivität und Ruhe und letztendlich mit Konsequenzen für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Typische Beschwerden von Bildschirmüberlastung sind Nackenverspannungen, Kopfschmerzen, trockene Augen …

Bildschirmzeit ist eine Belastung, besonders für die Augen: Du kennst die Beschwerden des Office-Eye-Syndroms bestimmt aus eigener Erfahrung: gerötete oder brennende Augen, Fremdkörpergefühl, Augenflimmern, müde und tränende Augen. Als Atemtherapeutin empfehle ich dir da einfach ein Blinzeln zwischendurch, das befeuchtet die Augen auf natürliche Weise. Gähnen ist auch eine gute Idee …

Kennst du diese Auswirkungen von Bildschirm-Apnoe?

PsychoLogs, ein indisches Online-Magazin für psychische Gesundheit, identifiziert vier Auswirkungen von Bildschirm-Apnoe auf den Menschen:

  • Körperliche Antwort mit Stress- und Angstzuständen
  • Eingeschränkte Gehirn- und Gedächtnisleistung mit Wahrnehmungsschwierigkeiten
  • Stimmungsschwankungen, Ärger und Mühe, eigene Emotionen zu regulieren
  • Schlafstörungen aufgrund des blauen Lichts und seiner hemmenden Wirkung auf Schlafhormon Melatonin

All diese Zustände führen in einen Teufelskreis und befeuern einander, das kann bis zur nervösen Erschöpfung gehen. Sind dir in deinem Alltag eine oder mehrere dieser Auswirkungen von Bildschirm-Apnoe aufgefallen? Wie bist du damit umgegangen? (Nutze das Kommentarfeld unten an der Seite und teile deine Erfahrungen mit der Atem-Community.)

Verwandle Bildschirm-Apnoe in gesunden Atemfluss

Atemaussetzer beim Lesen von E-Mails müssen nicht sein

2008 begann Linda Stone ihre Beobachtungen zu E-Mail- und Bildschirm-Apnoe zu erforschen und prägte den Begriff email apnea dt. E-Mail-Apnoe, ein vorübergehendes Ausbleiben oder Aussetzen der Atmung oder flaches Atmen beim E-Mail-Schreiben. Ausführlich erklärt sie das in ihrem Artikel Just Breathe: Building the Case for Email-Apnea [Einfach weiteratmen: Argumente für Atemaussetzer durch E-Mails]. Es müssen nicht einmal Atemaussetzer sein: ständige Mundatmung oder dauerhaftes oberflächliches Luftholen bringen die lebenswichtige Balance des Körpers von Sauerstoff, Kohlendioxid und den weiteren beteiligten Molekülen ebenso durcheinander wie komplette Atemausfälle.

Was Linda Stone vor über 15 Jahren entdeckte und in interdisziplinärer Zusammenarbeit erforschte, ist heute aktueller denn je: Atemaussetzer vor dem Bildschirm stehen in direktem Zusammenhang damit, wie unser vegetatives Nervensystem arbeitet. Stone beobachtete bereits damals, dass nicht alle Menschen gleich reagieren. «Bei meinen Untersuchungen im Jahr 2008 fiel mir auf, dass Musiker, Tänzer, Sportler und militärische Testpiloten – also diejenigen, die Atemtechniken für ihre Leistung erlernt hatten – keine Bildschirmapnoe hatten.» Als Atemtherapeutin stimmt mich das zuversichtlich!

«During my investigations in 2008, I noticed that musicians, dancers, athletes, and military test pilots — those who had learned breathing techniques for performance — did not have screen apnea.»

Linda Stone

Schaffe gute Arbeitsbedingungen für deinen Atem

Es ist so banal (=alltäglich) und trotzdem überlebenswichtig: Dein Atem ist die zentrale Lebensfunktion für den gesamten Organismus. Ohne Sauerstoff im Körper geht nach wenigen Minuten nichts mehr. Wir kennen ja den Spruch: 3 Wochen ohne Nahrung, 3 Tage ohne Wasser, 3 Minuten ohne Sauerstoff!

Für die Gesundheit, Wohlbefinden und Zufriedenheit ist die Atmung grundlegend bedeutsam. Das Atemgeschehen spiegelt, wie es dir gerade geht in der Situation, in der du dich befindest. Fliesst der Atem frei und beatmet dich «wie von selbst» bis in alle Zellen? Oder steckt er im Hals fest und bringt dich in Not? Wie gut dein Atem gerade arbeitet, hängt von äusseren und inneren Umständen ab: Es gibt Faktoren, die deinen Atem bei der Arbeit stören, wie zum Beispiel eine zusammengesunkene Körperhaltung, gewohnheitsmässige Mundatmung oder Dauerstress.

Damit der Bildschirm oder das E-Mail-Postfach nicht den Atem nehmen, kannst du auf deine Wahrnehmung zählen. Aktiviere immer wieder deine Sinne, damit du ins Spüren kommst und ins Wahrnehmen, wie dich dein Atem gerade bewegt. Dafür eignen sich Mikropausen, die du immer, überall und einfach umsetzen kannst.

Wecke deinen Atemsinn
mit einer Zufallsmikropause 🥱

  • Erlebe dich ⏳ in einer Minute zwischendurch
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    … damit es dir gut geht vor dem Bildschirm 👣

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Nicht-Atmung: Wie machen das Apnoe-Taucher:innen?

Neben dem unbewussten Atem anhalten gibt es das bewusste Aussetzen der Atmung. Beim Freitauchen oder Apnoetauchen regulieren die Taucher:innen das Luftanhalten bewusst. Der Zeitraum des Nicht-Atmens ist die Apnoe (von altgriechisch Nicht-Atmung). Freitaucher:innen trainieren intensiv für ihre Nicht-Atmung und wissen bestens Bescheid, was im Körper passiert, wenn die Luft angehalten wird! Die Rekorde sind beeindruckend: Jeder normale Mensch würde in der Zeit einfach ersticken: Damen 9 Minuten, Herren 11 Minuten.

Stimmt das überhaupt, dass die Luft angehalten wird? Das altgriechische Pnoe bezeichnet den Atemzug. Das Nicht-Atmen ist also ein Nicht-Atemzug. Die Freitaucher:innen sind geübt darin, den Atemreiz zu unterdrücken und erleben dabei Erstaunliches. Eine spannende Radiosendung dazu auf SRF Apnoetauchen – Sinnsuche in der Atempause, in der auch erklärt wird, wie das Freitauchen mit Achtsamkeit und Körperwahrnehmung zusammenhängt.

Lesetipp zum Thema Freitauchen als Beruf: Südkoreas Apnoe-Taucherinnen: Die Frauen mit dem ganz langen Atem. Mit vielen tollen Fotos ist der Alltag der Haenyeo-Taucherinnen beschrieben. Die Freediverinnen «Frauen des Meeres» holen Seafood vom Meeresgrund, ganz ohne Sauerstoffflasche, und das bis ins hohe Alter! Bei meinen Fun Facts findest du übrigens einen Hinweis darauf, was ich mit Korea am Hut habe.

Spannend ist das schon mit dem Apnoetauchen: So extrem muss es ja nicht gleich sein. Ein paar einfache Atemübungen, die du bei mir kennen- und anwenden lernen kannst, wirken ebenso als stressreduzierendes mentales Training. Mit Atemübungen stärkst du die naturgegebene Fähigkeit deines Nervensystems, dich zu beleben und zu beruhigen, ganz so, wie du es brauchst. Du willst mehr wissen? Reden wir darüber, welche Chancen Atemtherapie dir bringen.

Jetzt bist du dran!

Was ist dir beim Lesen durch den Kopf gegangen? Wenn du bis hier gelesen hast: Danke für deine Aufmerksamkeit! Was ist dein nächster Schritt für deine Atemgesundheit?

Beobachte jetzt gleich, wie das jetzt ist, vor dem Bildschirm. Atmest du noch? Wie bewegt dich dein Atem? Schreib uns gerne im Kommentar, was du erlebst und wie Bildschirme deinen Alltag prägen.

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  • Liebe Susanne, es ist mir bereits aufgefallen, dass ich am Bildschirm den Atem anhalte! Und jetzt lese ich es hier schwarz auf weiß und verstehe. Klar – ein eingeengter Blick = Sympathikus = Kampf oder Flucht = maximale Spannung. Die Lösung ist so einfach und bestätigt mich, denn genau das mach ich dann auch (wenn ich es denn merke). Danke für deine Anregung, aufmerksamer zu sein!
    liebe Grüße, Anke

    • A
      Susanne von Atemhaus Wagner

      Liebe Anke
      Ja genau. Super, wie du das Wissen und Erfahren verbindest. Ich bin überzeugt von der Einflusskraft von Alltagsgewohnheiten für die Selbstregulation, meistens passiert das ja unbewusst, in die eine oder andere Richtung! Wie du schreibst, das Bemerken ist die Schwelle zur Veränderung. Danke fürs Teilen deiner Wahrnehmung!
      Gruss
      Susanne

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