Atemtherapie und Denkfehler: Das Denken ist eine mächtige Bewusstseinsfunktion. Gerade bei neuen Erfahrungen mischt sich der Kopf gerne ein. Sobald wir im Denken sind, sind wir im Bewerten. Zudem hat jeder und jede von uns einen Rucksack voller Gedankenmuster, die (meist unbewusst) anspringen und aufs Leben wirken. Was bedeutet das für dich, wenn du Atemtherapie ausprobieren möchtest oder dich für Atemübungen interessierst?
In diesem Beitrag zeige ich dir, welche Denkfehler dich daran hindern können, mit Atemtherapie neue Erfahrungen zu sammeln. Hier erfährst du, was dir möglicherweise im Weg steht, dem Potenzial deines Atems auf die Spur zu kommen und deine Lebendigkeit mit alles Sinnen zu entdecken. Dazu habe ich Anregungen für dich, wie du die Denkfehler austrickst, umgehst oder in Ressourcen wandelst.
Die 5 Denkfehler, die du in diesem Artikel kennenlernst, erleben nicht nur Atemtherapie-Einsteiger:innen: Immer wieder mal nehme ich mich auch an der eigenen Nase und stelle fest, wie schnell der Kopf reinfunkt und Gedanken sich einmischen in meine Selbstwahrnehmung und Körperempfindung. Auch ich übe mich immer wieder im Üben. 😉 … und bin gespannt darauf, wie DU das erlebst.
Alle 5 Denkfehler auf einen Blick
Denkfehler Nr. 1: Ich muss das richtig machen
Du möchtest Atemtherapie für dich entdecken und probierst eine Atemübung aus. Wenn du das jetzt schon anpackst, dann möchtest du das sicher richtig oder gar perfekt machen. Du wünschst dir eine Anleitung, die du genau befolgen kannst und dann klappt es!
Was heisst denn RICHTIG MACHEN? So, wie es sein muss?
Warum ist richtig machen falsch?
Dein Atem reagiert auf alles, was dir geschieht. Im Innen wie auch im aussen. Etwas richtig machen zu wollen erzeugt Druck. Druck macht eng. Das mag dein Atem nicht.
Je mehr du etwas richtig oder gar perfekt machen möchtest, desto mehr kommst du ins Bewerten und Verurteilen. Das ist keine geeignete Ausgangshaltung für eine Atemübung.
So befreist du dich von Richtigmacheritis
Ihr lieben Gedanken, die ständig urteilen – lasst das mal sein! Deine Motivation, dich mit dir selbst und deinem Atem auseinanderzusetzen ist ein wunderbarer Startpunkt. Vo da aus erlaube dir kleine Schritte. Starte mit beobachten ohne zu bewerten.
➡️ Richtigatmeritis: Lass dich vom Trend zum Guru-Atem nicht stressen
Erlaube dir eine neue Erfahrung, die im Hier und Jetzt zeigt, was ist. Da gibt es kein richtig und falsch, deine Wahrnehmung zählt!
Denkfehler Nr. 2: Ich will das gut machen
Neben dem Richtigmachenwollen gibt es den Aspekt des Gutmachenwollens. Du hast eine Atemtherapeutin gefunden oder Anleitungen für Atemübungen gefunden, die dich motivieren. Nun willst du abliefern.
Dein Atem macht gerne brav mit, bei allem, was du von ihm verlangst. Oder bei allem, wowon du denkst, dass es von dir gerade verlangt wird. Schneller, tiefer, langsamer, anhalten … Das bist aber nicht du in deinem Wesenskern.
Welchen Preis hat das Gutmachenwollen?
Im Gutmachenwollen bist du jemand, der/die sich am Aussen orientiert und abliefert. Was ist gerade gefordert? Das stellst du bereit, weil es dir einen Vorteil verschafft.
Das macht vielleicht grossen Spass und erfüllt dich. Es befriedigt dich, weil du dich als kompetent und starkt erlebst. Du hast es voll drauf! Du kannst das … ja.
Und: um welchen Preis? Wer oder was treibt dich dazu an, es gut machen zu wollen? Ein Teil von dir, der brav sein will, um zu gefallen? Ein Teil von dir, der gerne mit Leistung glänzt, um Anerkennung zu erhalten? Eine innere Rampensau, die beklatscht werden möchte?
So wirst du den Leistungsgedanken los
Autsch, liebes Ego. Mach mal Pause. Erlaube dir als ganzer Mensch dein Dasein und Sosein. Forder von dir das Nichtfordern. Tu nur das, was dich ins Geschehenlassen einlädt.
Atmen ist keine Leistungsdisziplin. Atemerfahrungen sind Einblicke in deine Wesenheit und zeigen dir Lebensqualitäten auf. Entfaltung kannst du nicht erzwingen, nur einladen.
➡️ 3 Arten zu atmen und weshalb alle richtig sind
Erlaube dir eine Begegnung mit dir selbst als ganzer Mensch jenseits von Leistungsansprüchen.
Denkfehler Nr. 3: Ich muss mich anpassen
Du hast eine Anleitung für eine Atemübung, die du ausprobierst und befolgst sie ganz genau. Doch worauf kommt es wirklich an?
Ist es wichtig, die Bewegungen genau so auszuführen, wie sie vorgezeigt werden? Ist es entscheidens, die Atemphasen genau so zu gestalten, wie sie vorgegeben werden? Verspricht das sorgfältige Imitieren das beste Ergebnis für dich?
grenzen, sich übergehen? eigenes tempo, mass, rhyhmus nicht wahrnehmen/beachten
z. B. Blog-Fehler Nr. 3: Du benutzt sofort einen Pagebuilder
Welche Sorgfalt zählt wirklich?
Atemtherapie ist keine exakte Wissenschaft. Worauf es wirklich ankommt beim Ausführen und Mitmachen bei einer Atemübung weisst du selbst am besten.
Du bist das Mass der Dinge, deine Wahrnehmung zählt. Niemand kann dir vorschreiben, wie du dein Atemgeschehen erleben sollst.
➡️ Meine Wahrnehmung ist richtig!?
Alles, was neu ist, kann verunsichern. Erlaube dir, in solchen Situationen, den Kontakt zum Boden wahrzunehmen und dir Orientierung zu verschaffen. Nutze dafür z.B. die Anleitungen zum körpergerechten Sitzen oder Stehen: ➡️ Einstieg in eine Atemübung: So gelingt dir eine achtsame Erfahrung
So beginnst du, dich ernst zu nehmen
Vertraue deiner Wahrnehmung. Beginne dabei mit der Körperempfindung. Die Mikropausen-Anregungen eignen sich ideal dafür.
Achte dabei auf die Botschaften aus deinem Körper und nutze sie als Gestaltungshinweise: Was ist jetzt dein Tempo? Wie viel Druck ist angenehm? Was ist individuell für dich angemessen bei der Ausdehnung einer Bewegung? Welcher Rhythmus passt in diesem Moment?
Denkfehler Nr. 4: Ich muss etwas spüren
Wer sich mit Atembewusstsein beschäftigt, muss spüren können, sonst wird das nichts. Das denkst du vielleicht, schliesslich erzählen all die Atemgurs da draussen, was man alles spüren kann. Ich rate dir: Vergleiche dich in deiner Wahrnehmung nicht mit andern. Da wo du jetzt bist, ist es gut.
Nichts spüren könnte auch eine momentane Ausrede sein, etwas nicht spüren zu wollen. Vielleicht aus Gewohnheit. Vielleicht aus Angst. Respektiere das. Frage dich, was es für dich braucht für ein Spür-Abenteuer.
Welche Information steckt im Nichtspüren?
Du spürst nichts. Denkst du.
Stimmt nicht. Schliesslich hast du gerade gespürt, dass da NICHTS ist. Das ist auch eine Wahrnehmung!
Das Spüren ist Information, die nicht übers Denken zu dir gelangt, sondern über die Körperemfindung. Lass Zeit dafür. Welchen Raum brauchst du, damit es gelingt? ➡️ Nachspüren als Teil der Atemübung: So kommt das Erfahrene im Bewusstsein an
Wie du aus dem Spürenmüssen ausbrichst
Exploriere das Nichts, das du spürst. Bleib geduldig mit dir. Frag auch: Was hindert mich am Spüren? Welchen Vorteil hat es, nichts zu spüren? Welches Gefühl ist mit dieser Körperempfindung verknüpft?
➡️ Pause vom eigenen Wesen: Wir sind überall, nur nicht bei uns selbst
Erlaube dir, nichts zu spüren und darin zu verweilen. Was zeigt sich dann, wenn du dem Nichtwissen Raum gibst?
Denkfehler Nr. 5: Ich will, ich will …
Der Wille ist der Feind des Atems.
So ist das.
Dein Atem ist Ausdruck deiner Wesensessenz. Dein Atem zeigt, was gerade ist. Dein Atem ist situativ angepasst und wie dein Fingerabdruck: Einzigartig.
Niemand atmet genau so wie du!
Warum ist der Wille der Feind des Atems?
Dein Atem ist die Brücke zwischen Körper, Seele und Geist. Deine einzige Körperfunktion, die du willentlich kontrollieren kannst, die gleichzeitig als grundlegende Lebensfunktion auch autonom gesteuert ist.
➡️ Der Atem ist unser Lebenshauch. Kein Zirkuspferd!
Klar kannst du ihn willentlich steuern, ist oft auch praktisch und kurzzeitig sinnvoll. Allerdings: Du atmest ca. 20’000 Mal am Tag.
Du atmest auch, wenn du gerade nicht daran denkst. Du atmest auch, wenn du gerade keine Kapazitäten hast, in dein Atemgeschehen einzugreifen. Du atmest auch, wenn du schläfst!
Im Atem ist alles schon da und wartet auf dich. Erlaube dir dein Sehnsuchts-Ich. ➡️ Egal wie das Leben spielt, hier ist deine ultimative Jokerkarte: Der wesengemässe Atem 🃏 dein Atemsinn
So findest du zu deiner Atem-Essenz
Wecke deinen Atemsinn!
Wie wäre es, in Kontakt mit deinem ureigenen Wesen zu sein und zu erlauben, dass sich dein Atemgeschehen daraus gestaltet? Für dein Wohlbefinden, deine Gesundheit und deine Zufriedenheit?
Schaffe im Alltag mehr Bewusstsein dafür, welche Informationen dein Atemgeschehen für dich bereithält: ➡️ Atemorakel
Erlaube dir den Kontakt mit dir selbst. Mit deinem innersten, das dich bewegt. Immer wieder neu. Immer wieder aus dir selbst heraus. Lerne deine einzigartige Quelle für Lebendigkeit kennen, die du in dir trägst, jeden Moment deines Lebens.
Quellen & Weitere Tipps zur Atemtherapie nach Middendorf (Der Erfahrbare Atem)
➡️ Alle Atemübungen auf dem Atemblog
➡️ Was ist Atemtherapie? Erfahre 5 lebensverändernde Fakten!
➡️ Atemphysiotherapie und Atemtherapie als Methode der Komplementärtherapie: Was ist der Unterschied?
➡️ Wesengemäss atmen: 10 Brücken zum Atemsinn mit Atemübungen gegen Stress vor dem Bildschirm
📖 Middendorf, Ilse (2007): Der Erfahrbare Atem. Eine Atemlehre. Paderborn: Junfermann.
📖 Schwendimann, Ursula (2018): Bärenstarke Atemfibel. Handbuch mit Körperübungen für den Alltag. Männedorf: Atemschule Ursula Schwendimann.
📖 Schwendimann, Ursula / Letizia Fiorenza (2013): Atemratgeber. Atem und Bewegung – Haltung und Beweglichkeit für den Alltag. Männedorf: Atemschule Ursula Schwendimann.
Fazit: Wohin mit dem Kopf bei der Atemarbeit?
Es ist ein ständiges Aushandeln: Immer wieder schicke ich beim Üben mit dem Atem die Gedanken in die Pause und lade die Intuition ins Hier und Jetzt ein. Denken ist eine wichtige Bewusstseinsfunktion. Allerdings kann sie im Weg stehen, wenn es um das unvoreingenommene Wahrnehmen geht.
In diesem Artikel hast du 5 Gedanken kennengelernt, die dich blockieren können beim Start oder auch beim späteren Erleben von Atemtherapie. Daraus habe ich dir Anregungen gegeben, wie du trotzdem in Fluss kommst und das wertfreie Beobachten erlebst, eine Grundübung in der Arbeit mit dem Atem.
Atemtherapie ist eine erfahrungsbasierte Angelegenheit. Das Lernen geschieht über Ausprobieren und Erleben, begleitet von der bewussten Auseinandersetzung mit der Bedeutung dieser neuen Erfahrungen.
Als Atemtherapeutin rate ich dir deshalb: Finde eine Atemtherapeutin deines Vertrauens, die dich mit Atemübungen in der Gruppe oder mit Einzelsitzungen und -behandlungen begleitet.
🔗 Atemfachverband Schweiz AFS (2025): Atemtherapeut:in finden. Online verfügbar unter https://www.atem-schweiz.ch/atemtherapeutin-finden/ [Stand 8.3.2026].
Wortklauberei: Denkfehler und was dem Denken vielleicht fehlt
Was ist denn ein Denkfehler überhaupt? Ein Gedanke oder eine Erwartung, die (mehr oder weniger bewusst) im Kopf aufgetaucht ist und deine Wahrnehmung formt? Vielleicht resultiert daraus eine Enttäuschung, eine Ungeduld oder Kritik dir selbst gegenüber.
Ein Denkfehler ist ein Gedanke, der gerade eine falsche Richtung eingeschlagen hat. Ein Gedanke, der dir gerade nicht dient. Ein Gedanke, der nichts zu bieten hat, ausser eine Sackgasse zu sein. Denkfehler verkleiden sich gerne als logische Schlussfolgerungen. Als Atemtherapeutin ist aber nicht die Ration meine beste Ratgeberin, sondern die Intuition.
Denkfehler, die dich von dir selbst trennen, statt dich mit dir zu verbinden sind mächtig und definieren oft das eigene Wertesystem. Sie prägen dich seit Kindheit und beeinflussen deine Lebensgestaltung. Das ist wichtig und nötig, eine Ressource für die Orientierung zu sich und im Leben.
Solche Gedankenmuster können auch abwertend und destruktiv wirken, das erlebst du sicher auch tagtäglich. Ein innerer Kritiker meldet sich. Eine mahnende Stimme korrigiert dich.
In diesem Artikel nenne ich manche dieser Botschaften Denkfehler. Bezüglich Atemtherapie ist allein schon das Denken selbst in seiner beurteilenden Bewusstseinsfunktion ein Fehler. 😉 Schliesslich geht es bei dieser Art des Erlebens um neue Erfahrungen, die aus dem wertfreien Beobachten entstehen.
Es geht um Qualitäten des Erlebens mit allen Sinnen. Diese Wahrnehmungen nennen wir Körperempfindungen. Hinter jeder Körperempfindung steckt dann ein Gefühl, welches wiederum zu den bewertenden Bewusstseinsfunktionen gehört und für dich in sekundenschnelle einordnet, wie du die gemachte Erfahrung erlebst: Angenehm? Unangenehm?
Wie ist es mit deinem Kopf? Herrscht da Ruhe oder sind deine Gedanken oft wie aufgescheuchte Hühner? Hast du für dich Möglichkeiten und Wege, um vom Kopf in den Körper zu kommen? ➡️ Selbstregulation beginnt im Körper – nicht im Kopf. 3 Gründe, warum Bottom-up-Regulation dein Nervensystem wirksam beruhigt
Schlussendlich frage ich mich: Was ist denn hilfreich? Es geht nicht um Rechthaberei. Viel mehr geht es mir bei diesen Denkfehlern um konkrete Möglichkeiten, selbst eine Veränderung zu veranlassen – einfach und direkt mit einem Alternativgedanken, jenseits von richtig und falsch. Wie könnte es auch noch sein?
Erlaube dir den Raum für das, was jenseits der Denkfehler wartet. Frage dich: Was FEHLT jetzt gerade? Was zeigt sich gerade nicht? Welche andere Bewusstseinsfunktion (empfinden, intuieren, fühlen) darf jetzt in den Vordergrund?
Jetzt bist du dran!
Einen aktiven, guten Kopf zu haben ist ein Geschenk. Trotzdem darfst du deine Gedanken immer mal wieder in die Pause schicken und vor allem darauf achten, welche wahre Ressourcen sind und welche dich runterziehen, egal zu welchem Lebensthema. Wie atmet es dich, wenn deine Gedanken kreisen?
Hast du bei den Denkfehlern einen entdeckt, bei dem du dich auch schon ertappt hast? Gibt es vielleicht weitere Denkfehler, die dir begegnen zum Thema Atemtherapie? Ich bin gespannt auf deine Sicht der Dinge, auf deine Erfahrungen mit dem Thema oder auch deine Fragen.
Du hast Fragen?
Buche dir ein kostenfreies und unverbindliches Vorgespräch und erfahre, wie wir dein Anliegen gemeinsam bearbeiten können.
Welche Bedeutung hat das Spüren über die Körperempfindung in deinem Alltag? Wie erlebst du dein Atemgeschehen im Alltag? Teile unten ⤵️ im Kommentar, wie du das erlebst. Die Atem-Community freut sich auf deine einzigartige Erfahrung.







