Intervention bedeutet «Dazwischenkommen». In der Komplementärtherapie ist eine Intervention ein gezieltes und ressourcenorientiertes Eingreifen, das den Prozessverlauf verändert. Dank Interventionen fördern Komplementärtherapeut:innen die Eigenwahrnehmung ihrer Klientinnen und Klienten und stärken ihre Fähigkeit, im Gleichgewicht zu sein und zu bleiben.
Die Therapeutin nutzt bewusst gewählte und fachlich kompetent angewendete Interventionen über Berührung und Bewegung, um Veränderungen anzustossen. Sie setzt Körper- und Atemarbeit sowie Anleitung und begleitendes therapeutisches Gespräch ein, um Ressourcen des Klienten zu aktivieren und seine Selbstheilkräfte anzuregen.
Der Klient, als Mitgestalter im Prozess, erlebt sich selbst mit neuen Erfahrungen und es lindern sich vielleicht seine Beschwerden, Befindlichkeitsstörungen oder Leistungsbeeinträchtigungen. Interventionen sind keine «Heilungsaktivitäten», sondern fördern Selbstwirksamkeit und Bewusstsein. In diesem Beitrag erzähle ich mehr darüber, was Interventionen im komplementärtherapeutischen Kontext sind und auch, was sie nicht sind.
Die Inhalte auf einen Blick
Was ist eine Intervention?
Definition und Wortherkunft
Im Duden ↗️ ist Intervention in Politik, Wirtschaft oder Kriegsgeschehen als Einflussnahme, Einmischung, Klärung oder Schlichtung definiert.

In der Medizin bezeichnet Intervention ↗️ alle Massnahmen, die durchgeführt werden, um den Gesundheitszustand aktiv zu verändern, sei es diagnostisch, präventiv, therapeutisch oder chirurgisch. Es handelt sich um ein dringliches Einschreiten, um Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu verhindern oder zu verlangsamen.
Das Wort Intervention stammt vom lateinischen Verb intervenire ab und setzt sich aus inter = zwischen und venire = kommen zusammen. (An so viel Latein kann sogar ich mich noch erinnern. Zudem gibt es in der Schweiz den Ort Interlaken, der zwischen zwei Seen liegt, was hierzu eine weichnasige Eselsbrücke wäre.)
Bei einer Intervention geht es also um ein dazwischenkommen. Danach geht es anders weiter, als es sich ohne Intervention abgezeichnet hätte. In der Komplementärtherapie nutzen wir das bewusst und methodenspezifisch, z.B. mit einer Atemübung, um bei unseren Klient:innen Entwicklungs- und Genesungsprozesse anzustossen und zu begleiten.
Interventionen in der Komplementärtherapie
Interventionen sind methodenspezifische und interaktive Arbeitsmittel
In der Komplementärtherapie nennen wir Aktionen, mit denen wir konkret therapeutisch arbeiten, Interventionen:
- Ich bemerke, dass meine Klientin unruhig und abwesend ist und frage nach.
- Ich biete meiner Klientin auf der Liege mit meinen Händen Behandlungsgriffe mit Druck und Dehnung an.
- Ich leite eine Atemübung an und führe sie gemeinsam mit meinem Klienten aus.
Meine Interventionen lösen beim Klienten etwas aus. Diesem Etwas forschen wir nach. In einem zwischenmenschlichen Raum des Vertrauens gestalten wir gemeinsam den Prozess und ich rege neue Erfahrungen an, vor allem über die Körperempfindung, und begleite diese im Austausch.
Die Prozessphasen in der komplementärtherapeutischen Arbeit werden auch Handlungskompetenzen genannt, diese sind: Begegnen, Bearbeiten, Integrieren, Transferieren.
Die vier Phasen umfassen einen vollständigen Handlungszyklus und charakterisieren den einzelnen Behandlungsschritt, die einzelne Therapiesitzung sowie den Therapieprozess insgesamt. Sie verlaufen nicht zwingend linear und können sich durchaus überlagern.
Gekennzeichnet sind die vier Phasen von den durch körperliches Erleben ausgelösten Erfahrungs- und Veränderungsprozessen, welche methoden-, körper- und prozesszentriert als auch interaktiv ausgelöst, angeleitet und unterstützt werden.
Interventionen haben einen Grund
Warum eine bestimmte Intervention stattfindet, hat immer einen Grund. Die Intervention hat einen Bezug zum übergeordneten Therapieziel und/oder sie antwortet auf das aktuelle Stundenanliegen. Interventionen können auch nötig sein, um überhaupt mit der therapeutischen Arbeit zu beginnen, diese fortzusetzen oder abzuschliessen.
Die Interventionen geschehen im Austausch mit der Klientin und nach ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen. Sie ist Mitgestalterin im Prozess und so kläre ich z.B. in der Atemtherapie mit dem Stundenanliegen auch, ob meine Klientin heute mit lieber Atemübungen arbeiten möchte oder auf der Liege.
Interventionen geschehen mit Bewegung, Berührung, Anleitung und/oder im begleitenden therapeutischen Gespräch. Sie fördern das Bewusstsein über die eigene Körperwahrnehmung, die Verstehbarkeit der eigenen Situation und regen den Austausch/die Reflexion über die Bedeutsamkeit dessen an, was dem Menschen gerade geschieht.
Interventionen regen Veränderung an
Die gewählten Interventionen berücksichtigen die Ressourcen des Klienten und ihre Umsetzung dient dazu, Ziele der Komplementärtherapie zu verwirklichen. Beispielsweise die Selbstwahrnehmung zu stärken, Selbstregulation zu fördern und damit den Genesungsprozess des Klienten zu fördern, indem seine Selbstheilkräfte angeregt werden.
Die Linderung von Beschwerden kann geschehen. Vor allem geht es darum, den Menschen in seiner Ganzheit sich selbst erfahrbar zu machen. Neue Sichtweisen zeigen sich und wenn die erhofften Veränderungen (noch) nicht (oder nicht schnell genug!) eintreten, geht es darum, den Umgang mit den vorliegenden Schmerzen, Befindlichkeitsstörungen oder Leistungsbeeinträchtigungen zu verändern.
Wichtig ist auch die Alltagsunterstützung: Da gibt es sozusagen Take-away-Interventionen, die meine Klient:innen mitnehmen und selbstständig zwischen den Therapiesitzungen bewusst zu ihrem eigenen Wohl anwenden. Daraus erwächst Selbstwirksamkeit bzw. Empowerment hinsichtlich der gewünschten Veränderung. Oder wie die Komplementärtherapie sagt: Selbstermächtigung.
📄 Organisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie (OdA KT) (2025): Berufsbild KomplementärTherapeut*in mit eidg. Diplom. OdA KT. Online verfügbar unter: www.oda-kt.ch [Stand 6.4.2026].
📄 Organisation der Arbeitswelt Komplementärtherapie (OdA KT) (2025): Grundlagen der KomplementärTherapie. Online verfügbar unter www.oda-kt.ch [Stand: 4.6.2026].
➡️ Was ist Komplementär-Therapie? Ganzheitliche Therapie mit 3 stärkenden Zielen
➡️ Was ist Atemtherapie? Erfahre 5 lebensverändernde Fakten!
Was Interventionen in der Komplementärtherapie nicht sind
Interventionen sind keine einseitige Massnahme, sie erfolgen stets unter Einbezug der Klientin als Mitgestalterin im Prozess. Dies betrifft das übergeordnete Therapieziel und auch das jeweilige Stundenanliegen.
Interventionen sind nicht invasiv oder hautverletzend, beinhalten keine Medikamente oder Heilmittel und benötigen keine maschinelle Unterstützung.
Interventionen sind weder Drill noch fixes Programm. Sie richten sich in Intensität und Dauer nach den Möglichkeiten des Klienten.
Interventionen sind keine Heilungsaktivitäten mit gezielter Wirkung. Sie mögen die körpereigenen Selbstheilkräfte anregen, den Umgang mit Beschwerden verändern oder die persönliche Entwicklung anstossen.
Interventionen legen den Fokus nicht auf die Beschwerden, sondern auf den Mensch als Ganzes und seine Ressourcen. Dem ist auch im Sprachgebrauch Rechnung zu tragen!
Interventionen haben keine voraussagbare Wirkung. Jeder Mensch ist in seiner Wahrnehmung einzigartig und das individuelle Erleben zählt.
Interventionen sind kein «zufälliges» Reagieren. Sie sind gezielt, bewusst und methodisch begründet. (Intuition in ihrer Funktion als Erfahrungswissen ist eine wichtige Basis für stimmige Interventionen!)
Praxisbeispiel: Mikropause als Intervention vor dem Bildschirm
Mikro-Intervention für Selbstwahrnehmung und Selbstregulation, die keine Minute dauert:
Wecke jetzt deinen Atemsinn mit einer Zufallsmikropause 🥱
Atemfluss
statt
Atemstau
Senke bestimmt deine Schlüsselbeine 💡 oder stell dir das vor.
Mikropause 391’097 von 531’441.
Mikropause des Tages am 16.08.2026
Erlebe dich ⏳ in einer Minute zwischendurch
- als ganzer Mensch
- im Kontakt zu dir
- mit allen Sinnen
… damit es dir gut geht vor dem Bildschirm 👣
Zum Weiterlesen auf dem Atemblog:
➡️ Was ist ein Bildschirm-Zombie und wie verscheuchst du diesen fiesen Atemräuber?
➡️ Was ist Bildschirm-Apnoe und wie bleibst du vor dem Screen im Atemfluss?
Ist Nichtstun auch eine Intervention?
Meine Antwort dazu ist wohl klar: 😉😊
Auf jeden Fall ist Nichtstun eine Intervention!
Diese Intervention hat sogar einen Namen: Pause 🥱🥱
Gerade in der Komplementärtherapie ist die Pause – der Unterbruch – eine äusserst wichtige Intervention.
- Nachspüren, wie Berührung im Körper ankommt.
- Stille erleben, die im Alltag fehlt.
- Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken im Bewusstsein ankommen lassen.
- Geschehen lassen, was sich zeigt in der Atembewegung.
- Unterbruch vom Alltag: Zeit für das eigene Mass, die Sorgfalt zu sich, Ruhe und Erholung.
Zum Weiterlesen auf dem Atemblog:
➡️ Meine 3 typischen Fehler beim Pausen machen
➡️ Pause vom eigenen Wesen: Wir sind überall, nur nicht bei uns selbst
➡️ Selbstregulation beginnt im Körper – nicht im Kopf
Jetzt bist du dran!
Was löst das Wort Intervention bei dir aus? Berichte unten ⤵️ im Kommentar darüber, ob ein «Dazwischenkommen» auch in deinem Berufsalltag eine Rolle spielt oder wie du als Klient:in therapeutische Interventionen erlebst.
Hast du die Mikropause ausprobiert? Kopiere die heutige Zufallsanregung in den Kommentar und lass uns wissen, wie die Mikro-Intervention bei dir angekommen ist. Ich freue mich auf deine einzigartige Wahrnehmung!







